Mein Kopf ist
noch voll von den wunderschönen Momenten im Roten Meer: Zuerst war ich
schwimmen. Das fühlt sich für mich an wie schwereloses Gleiten, vorwärts,
rückwärts, ein Arm nach dem andern, Beinschlag, in den Wellen, unter mir der
schneeweisse Meeresgrund, über mir der blaue Himmel. Fortbewegung ohne
Anstrengung, lautlos, heilend und energetisierend. Danach war ich mit einer
Freundin am Riff schnorcheln. Ich fühlte mich in dem riesigen Aquarium von den sanften,
aber bestimmenden Wellen getragen und vom Anblick der majestätischen Korallen
und bunten Fischschwärmen in eine andere Welt versetzt. Es war schlichtweg hinreissend.
Atemberaubend. Eindrücklich.
Während ich nach
Hause fahre, bin ich in Gedanken noch dort, mitten im Meer. Ein bisschen
überlege ich schon, was ich kochen soll. Doch schon biege ich ins ausgetrocknete
Flussbett ab, das unsere Strasse ist, und werde jäh aus meinen Tagträumen
gerissen: Ich erblicke einen am Bordstein kauernden Mann. Am Strassenrand. Seine
Arme hängen hilflos in die Leere, sein Kopf liegt auf den Arm gesenkt, sein
schmaler Körper steckt in einem dieser typischen Kaftane der Bewohner
Oberägyptens. Neben ihm liegt eine kleine Plastiktasche vom Duty Free der Egypt
Airlines. Während ich mich umsehe und in Zeitlupentempo meine Umgebung wahrnehme
– da gehen Leute – da sitzt einer und guckt nur auf sein Smartphone – da vorne
ist meine Wohnanlage – da geht K., einer der Angestellten unserer Wohnanlage - da ist
ein Obstgeschäft – dahinten ist der Supermarkt – da guckt keiner – halte ich
meinen Wagen an, löse den Sicherheitsgurt, schalte den Motor ab, ziehe die
Handbremse an und steige aus.
Wie ferngesteuert
frage ich den Mann, „Malak eh?“ (was hast du?). Erst als ich ihn sanft mit der
Hand berühre, hebt er den Kopf und sieht mich an.