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Sonntag, April 19, 2020

Frust lass nach und komm nie wieder!


Ich warne euch, bevor ihr weiter lest: Ich lasse hier etwas Frust ab. Aber ich muss ja nicht immer „gut drauf“ sein, oder? Schliesslich bin ich auch nur ein Mensch.

Gestern schon hatte ich miese Laune. Leider habe ich es nicht geschafft, sie heute zu vertreiben und durch etwas Positiveres zu ersetzen. Wir sitzen zwar unter wunderschön blauem Himmel und in der Wärme, teilweise mit Blick aufs Meer, da wo andere Ferien machen (wollen würden, wenn). Aber auch wir sitzen fest.

Die Medien publizieren Hiobsmeldungen, nicht unanders als in Europa. Darüber, dass sich auch die Anzahl der Genesenen erhöht, wird oft geschwiegen. Das verkauft sich ja nicht so toll.

Sonntag, Juni 11, 2017

Ramadan Momente

„Nein, ich faste nicht, ich sehe auch keinen Sinn dahinter“, war meine Antwort auf die Frage, ob ich es schon mal ausprobiert hätte oder ausprobieren wollte. Der Fragesteller, ein untersetzter Mann mittleren Alters, fastet. Aber er ist einer von jenen, die den „einfachen“ Weg gehen. Er arbeitet am Tag nicht, sondern schläft. Das ist nicht die Idee vom Fasten im Ramadan, aber viele tun es ihm gleich. Zu hart ist es, knapp vierzehn Stunden am Tag nichts zu essen und nichts zu trinken. Bei Temperaturen von 35°C bis 40°C.

Ich kenne medizinisches Fasten. Da wird gar nichts gegessen. Eine Woche lang, zwei Wochen lang. Nur flüssige Nahrung wird aufgenommen, zuerst Suppen, dann noch Säfte. Hier im Ramadan wird aber nachts zugelangt, worauf man am Tag verzichtet hat. Ist das Fasten? Und gesund soll es sein, bei diesen Temperaturen nichts zu trinken? Ich bezweifle das. Aber schlussendlich ist es nicht mein Entscheid, sondern ich gucke nur zu.

Donnerstag, Juni 08, 2017

Auf ein Glas Wein

Ägypten ist ein islamisches Land – so steht es in der Verfassung. Im Gegensatz zu anderen islamischen Ländern ist der Genuss von Alkohol jedoch erlaubt.

Die Pharaonen brauten Bier und die Ägypter haben diese Tradition beibehalten. Es gibt auch Weinreben aus deren Trauben Weiss-, Rosé-, und Rotweine hergestellt werden. Die Qualität unterscheidet sich leider noch etwas von wirklich guten Weinen, da ist noch Potential vorhanden.

Getrunken wird fleissig – nicht nur an Touristenorten wie Hurghada. In Hotels, Bars und Restaurants gibt es Wein und Bier und andere einheimische und importierte Spirituosen, sofern sie dafür eine Erlaubnis haben. Doch Alkohol einkaufen funktioniert hier anders als in Europa und ist zudem wegen der hohen Alkoholsteuer schrecklich teuer – bezüglich Qualität und Kaufkraft. Importierte Spirituosen sind für Normalsterbliche quasi unerschwinglich.

Samstag, Mai 27, 2017

Ramadan-Beginn in Stille

Seit Sonnenaufgang fasten Muslime heute: seit zehn vor fünf Uhr! Es ist ein ungewöhnlich heisser Tag, die Temperaturen liegen über 35° C. Kaum ein Lüftchen regt sich – ebenso ungewöhnlich. Das macht den ersten Fastentag zusätzlich hart.

Doch es ist nicht die bleierne Hitze, die heute über dem Land liegt, die mir besonder ausffällt. Nein, es ist was anderes…

Es ist still! Noch im Halbschlaf hatte ich das Gefühl, dass da etwas anders ist, als sonst. Kein Bohren, Klopfen und Hämmern. Keine Lastwagen und keine Autos. Kein Geschrei und Gejohle der Arbeiter der umliegenden Baustellen. Kein Telefongespräch von Passanten. Keine erzwungene Musikberieselung.

Das bleibt so während des ganzen Vormittags. Und Mittags. Und Nachmittags. Am Pool herrscht fast Geisterstille. Eine Bekannte hat auf Facebook geschrieben, sie sei alleine am Strand, es sei ganz still und friedlich. Ich bin mit meinem Eindruck also nicht alleine. Seit ich in diesem übervölkerten Land lebe, war es nur einmal so still wie heute: in den Monaten nach der Revolution 2011. Damals war Hurghada beinahe ausgestorben.

Mir ist es recht. Und klug ist, wer sich auf die Nacht einstellt: ich nehme mal an, dass dann alles nachgeholt wird, was tagsüber ausgeblieben ist. Nicht nur die Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme.



Samstag, Juni 11, 2016

Ramadan: wenn Schüler fasten

Am 5. Juni hat Ramadan begonnen, der Monat, in welchem gläubige Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder trinken noch essen. Auch Rauchen und körperliche Liebe sind nicht erlaubt. Das Fasten gehört zu den fünf Säulen des Islams. (Die weiteren vier Säulen sind: das Glaubensbekenntnis, das Gebet, die Unterstützung von Bedürftigen und die Pilgerfahrt nach Mekka).

Fasten soll, wer dazu fähig ist: Reisende, Schwangere, Kranke und Kinder sind also davon ausgeschlossen (und können das später nachholen).

Durch den Verzicht auf Genussmittel soll der Geist gereinigt und gestärkt werden. Das ist hart und erfordert sehr viel Disziplin, besonders bei den hiesigen Temperaturen. Hut ab vor jedem, der das durchsteht.

Viele Schlaumeier machen sich das Fasten im Ramadan aber einfach: sie schlafen tagsüber, stehen kurz vor dem Fastenbrechen auf und bleiben die ganze Nacht auf. Sie arbeiten nicht. Auch manche, die zwar bei der Arbeit sind, arbeiten trotzdem nicht: sie dösen irgendwo in einer Ecke vor sich hin. Das scheint aber nicht wirklich der Sinn des Fastens zu sein, denn der Fastende soll trotzdem arbeiten und seine üblichen Tätigkeiten verrichten – sonst wäre es ja einfach.

Nicht alle sind dieser Meinung und gehen den bequemen Weg. Und wie die Erwachsenen, so auch die Kinder.

Die Kinder fangen z.T. schon in sehr jungem Alter an zu fasten. Eine Lehrerin erzählte mir, dass einige Achtjährige in ihrer Klasse fasten. Die Knirpse waren der Meinung, dass sie nun passiv in ihren Stühlen hängen könnten und nicht am Unterricht teilnehmen müssten. Die Religionslehrerin hat den „Irrtum“ dann aufgeklärt.

Eines meiner Mädchen, denen ich Nachhilfeunterricht gebe, erzählte voller Freude: ihre Mutter hätte ihr freigestellt, am zweiten Fastentag in die Schule zu gehen oder nicht. Die Neunjährige fastet zum ersten Mal. Als ich erwiderte, sie sei ja schon am Montag nicht in der Schule gewesen und der Unterricht sei doch wichtig für ihr späteres Leben zwecks Studium und blablabla – da fiel mir die Kleine ins Wort: „Nein! Fasten ist viel wichtiger!“

Tja. Ich soll den Mädchen Verantwortung vermitteln, sie zu guten Schülerinnen erziehen, sie zum Lernen anhalten, ihren Ehrgeiz anspornen, ihnen Manieren beibringen und dann kommt so eine Antwort. Als Nicht-Muslimin gibt es da schlichtweg nichts mehr zu sagen. Mund zu, runterschlucken und weggehen.

Wenn das im Kleinen anfängt, dann geht das im Grossen so weiter. Jedes Jahr staune ich von Neuem, wie muslimische Länder während eines vollen Monats ihre Tätigkeiten auf ein Minimum herunter schrauben. Viele Bereiche des Staates und der Wirtschaft bleiben auf Sparflamme. Ob sie sich das auch leisten können?

Die Kinder verstehen das noch nicht – sie kopieren, was ihnen vorgemacht wird; mit entsprechenden Folgen für später.