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Dienstag, Mai 09, 2023

Ausflug nach Oberägypten - 3. Tag

Dritter Tag: Naqadah

Diese kleine Stadt wenige Kilometer nördlich von Luxor steht auch schon lange auf meiner Liste. Warum? Weil einer meiner Freunde von hier kommt und hier lebt und die Stadt heute zwar aus touristischer Sicht bedeutungslos ist, aber handwerklich und geschichtlich interessant ist.

Noch mehr Webtradition

Hier wurden ebenfalls seit Urzeiten handgewobene Stoffe hergestellt. Mein Freund B. sagte mir, früher kam das Tuch für die Kaaba in Mekka, die Kiswa, von hier. Die Stoffe wurden auch in den Sudan geliefert.

Sonntag, Mai 07, 2023

Ausflug nach Oberägypten - 1. Tag

Januar ist eine ideale Reisezeit hier, finde ich. Die Temperaturen sind tagsüber angenehm, es gibt keine Feiertage und folglich sind nicht so viele Touristen (Einheimische wie Fremde) unterwegs.

Also erfüllte ich mir einen langgehegten Wunsch und fuhr nach Akhmim (Achmim) bei Sohag. Dort wurden schon zur Zeit der Pharaonen edle Stoffe auf riesigen Webstühlen von Hand gewoben.

Auf meinem Wunschzettel für diese kurze Reise standen auch Abydos und Naqadah. „Kurz“ bezüglich eingeplanter Tage und berechneter Distanzen, nicht aber bezüglich der Strassenverhältnisse. Das war leider ein Fehler. Habe also wieder was gelernt 😏.

Erster Tag: Auf nach Sohag

Die Kilometer und Stunden durch die Red Sea Mountains dehnen sich in die Länge. Die Strasse ist zwar gut, die Landschaft manchmal eintönig, manchmal atemberaubend schön, aber die Distanzen sind wirklich nicht zu unterschätzen. Nach mehreren Stunden Fahrt liegen die Berge hinter mir, am Horizont flimmert unscharf das Sandsteingebirge des Niltals. Irgendwo auf einer Hochebene, wo sich zahlreiche Farmen befinden, nehme ich spontan einen jungen Autostöppler mit. Er wartet mit einem älteren Mann in Galabya und Turban an der Zufahrt zu einer Farm. Ich denke mir: Den nimmst du mit, tust eine gute Tat und hast Unterhaltung. Kommt ja eh weit und breit kein anderes Fahrzeug hier vorbei, vielleicht wartet er schon lange auf eine Mitfahrgelegenheit.

Montag, August 23, 2021

Begegnung in Luxors Bazaar

Als ich im Juli einige Tage in Luxor zu tun hatte, bin ich an einem Spätvormittag durch die Bazarstrasse geschlendert. Ich mag diesen Bazar eigentlich. Eine Holzkonstruktion über der engen Gasse spendet Schatten. Die Waren werden auch von Einheimischen gekauft. Je weiter man geht, umso eher findet man nicht nur Souvenirs, Schmuck und Schals, sondern auch Stoffe. Dahinter schliesst sich dann der Obst-und Gemüsemarkt an.

Was ich nicht mag, ist das lästige Verhalten der Verkäufer dort. Drum eben Spätvormittag.

Prompt waren noch viele Geschäfte zu und das störte mich gar nicht. Ich schlenderte an den rundlichen Frauen vorbei, die gemütlich plaudernd die ganze Breite der Gasse vereinnahmten. Einige Souvenirverkäufer versuchten ihr Glück bei mir, mit dem ewig gleichen Ramsch, der nicht mal in Ägypten hergestellt wird. Das Schmuckgeschäft, wo meine Mama vor Jahren was gekauft hat, hatte auch noch zu.

Die Atmosphäre gefiel mir, nach den Tagen im Hotel tat es mir wohl. Mein Blick schweifte ziellos über die Aufschriften auf den Geschäftstafeln und blieb bei einem hängen: In schön geschwungenen, blauen Buchstaben auf goldenem Grund las ich eine französische Beschreibung. Neugierig näherte ich mich dem Eingang um zu sehen, was da angeboten wurde.

Sonntag, März 18, 2018

Ein Tipp: Museum Islamischer Kunst in Kairo


Im Januar war ich ganz kurz in Kairo. Die zwei Stunden Freizeit, die ich mir abzweigen konnte, reichten aus, um das kleine, aber sehr feine Museum Islamischer Kunst zu besuchen.

Mein Spaziergang führte mich zuerst über die breite Tahrir Strasse, die am Vormittag noch verschlafen und sanft wirkt. Bald jedoch wanderte ich in engen Gassen unter Schatten spendenden Bäumen, an winzigen Lädelchen und parkenden Autos vorbei. Ältere Männer hockten vor Kaffees und starrten in die Leere, Jünglinge wischten Tische und schrubbten die Reste der Nacht über den Gehsteig hinab. Schwarz gekleidete Omas beaufsichtigten zappelnde Kinder. Ich liebe diese Momente, in denen Standbildern von Strassenszenen Alltag eingehaucht wird.

Kein Hinweischild half mir, das Museum zu finden. Typisch, wie dieses Land mit seinem kulturellen Reichtum umgeht. Ein bisschen Lächeln, ein bisschen auf Arabisch fragen und dann findet sich die Schatztruhe trotzdem.

Und: es lohnt sich! Das Museum Islamischer Kunst beherbergt weltweit die grösste

Sonntag, September 10, 2017

Sommerkleidung: ägyptische Baumwolle – was sonst?

Die über mehrere Monate hinweg andauernde Hitze, die oft hohe Luftfeuchtigkeit und der konstant wehende Nordwind lassen einen fast ununterbrochen schwitzen. In dem Klima finde ich es deshalb nicht immer einfach, mich bequem und doch noch halbwegs adrett anzuziehen.

Die Kleidung soll locker und luftig sein, Schweiss nicht sofort sichtbar werden und oben drein soll alles auch noch pflegeleicht sein. Mit dem, was in den meisten Läden angeboten wird, komme ich nicht klar: Polyester, eng anliegend, durchsichtig, geschmacklich zweifelhalft, seit Neuestem ist auch noch zerrissen und zerlöchert in. Unverständlich für mich. Aber über Geschmack lässt sich ja angeblich streiten.

Montag, Mai 23, 2016

Handgemacht aus ägyptischer Baumwolle

Ägyptische Baumwolle war zu Zeiten der britischen Kolonialzeit und unter König Farouk der Exportschlager. Die Baumwolle wurde von den Plantagen im Delta mit Zügen an die Mittelmeerhäfen transportiert und von dort nach England verschifft, um feines Tuch für die noch feineren Herrschaften zu weben.

Das ist vorbei. Die ägyptische Baumwolle ist zwar noch immer eine der besten der Welt, jedoch sind die Produktionsmengen stark geschrumpft. Falsche ökonomische Anreize, schrumpfende Anbaugebiete und günstigere ausländische Konkurrenz zählen zu den Gründen. Schade für die Arbeiter und das Land.

Dass aus dem kostbaren Grundstoff trotzdem erschwingliche Dinge hergestellt werden können, beweist einer meiner Freunde.

Web-Tradition in Oberägypten
Barsum Halaby kommt aus Naqada in Qena, unweit von Luxor. Dort stehen heute noch in vielen Häusern Webstühle, welche feine Baumwollstoffe herstellen. Bis vor ungefähr 20 Jahren, so erzählt mir mein Freund, wurden gewobene Baumwoll-/Seiden-Tücher in den Sudan exportiert. Das änderte sich mit den politischen und wirtschaftlichen Problemen Sudans. Die Weber in Naqada mussten neue Abnehmer finden und richteten ihre Produktion auf den Tourismus aus.

Edle Stoffe haben auch einige Kilometer Nil abwärts uralte Tradition, in Akhmim bei Sohag. Die Region war einst ein Zentrum für Textilherstellung, vor allem aus Leinen. Mit den edlen Stoffen bekleideten sich Pharaonen, Griechen und Römer.

Selbständigkeit mit Hürden
Doch zurück zu Barsum: Ursprünglich hat er Kunst studiert, doch wie viele junge Ägypter fand er zuerst in der Tourismusbranche eine Anstellung, und zwar als Verkäufer: T-Shirts waren es. Bald kam jedoch ein interessanteres Angebot: in seiner Heimat hergestellte Schals und andere Handarbeiten zu verkaufen. In jener Zeit habe ich ihn kennen gelernt.

Im Dezember 2010 verliess er die Stelle, da er sich mit einem eigenen Geschäft selbständig machen wollte. Da kam die Revolution im Januar 2011 dazwischen. Die Touristen blieben weg und er während eines dreiviertel Jahres arbeitslos. Eine Anstellung zu finden war unmöglich, also wagte er die Selbständigkeit: Ein Hotel in Makadi ermöglichte ihm im Herbst 2011, handgewobene Schals anzubieten; nichts Anderes – gemäss den Vorgaben des Hotels.