Mittwoch, Juni 30, 2021

Ja, es ist heiss

Was das im Alltag bedeutet

Wie schön wäre in dieser Bruthitze eine kühlende Dusche am Morgen oder zwischendurch oder vor dem Schlafen gehen! Gibt’s aber nicht.

Denn, wenn es hier heiss ist, dann kommt aus dem Wasserhahn – da, wo eigentlich kalt rauskommen sollte – nur siedend heisses Wasser. Siedend, also so heiss, dass man sich verbrennt: Beim Spülen, beim Duschen und sogar bei der Klodusche, wie ich neulich leider spüren musste. Mit etwas Glück kommt am Morgen da, wo sonst heiss rauskommen sollte, also vom Boiler, der jetzt natürlich abgeschaltet ist, etwas lauwarmes Wasser. Dafür sollte man aber vor sieben unter der Dusche stehen – später bedeutet zu spät.

Warum das so ist? Weil die meisten Wassertanks aus mir völlig unverständlichen Gründen auf dem Dach stehen. Nicht abgedeckt, also direkt unter der sengenden Sonne Nordafrikas. Weshalb kaum jemand wenigstens ein Dach darüber baut, damit die Wassertanks im Schatten stehen – das gäbe nämlich geschätzte 10° bis 15° C Temperaturunterschied – weiss ich nicht. Manche Tanks stehen im Garten, etwas geschützt unter/neben dem Gebüsch, da hat das Wasser sicher etwas angenehmere Temperaturen. Sie könnten ja auch im Boden versenkt sein, aber wahrscheinlich geht es da wieder um die Kosten oder um die Ausnutzung. Deshalb: Im Sommer gibt es zu heisses Wasser, im Winter, wenn es gern etwas wärmer sein dürfte, zu kaltes.

Wenn es heiss ist, glühen auch die Möbel, das Kopfkissen sowie die Matratze, das Geschirr und die Töpfe. Und die Klobrille, da schwitzt man dann zusätzlich, weil dort, wo die benötigt wird, ist in den meisten Fällen auch keine Klimaanlage installiert.

Auch die Wände glühen, wurden sie doch nur aus einer dünnen Reihe Ziegelchen erbaut. Spiegeleier könnte man sicher darauf braten. Aus praktischen Gründen habe ich es noch nicht ausprobiert: Wer isst schon Spiegeleier bei der Hitze! Wenn die Aussentemperaturen auf 40° C ansteigen, strahlen die Wände diese Hitze auch nach innen zurück, bis 80 cm Nähe. Es fühlt sich an, als ob man in einem überdimensionierten Backofen stehen würde.

Da bin ich beim nächsten Stichwort: Soll ich tatsächlich Brot oder einen Kuchen backen, wenn die Klimaanlage auf Hochtouren läuft? Ich hab mal zu einer Freundin gesagt, dass Backöfen in diesen Breitengraden eigentlich nicht in die Küche, sondern auf Balkon oder Terrasse gehören. Irgendwie finde ich das logischer.

Kaum ist die Sonne verschwunden, sinken die Temperaturen - die Wortkombination erinnert mich an  den Wetterdienst „sinken die Temperaturen unter Null“… ;) - um ein paar Grad. Aber nur draussen, wo schon die Mücken lauern. Drinnen verharren sie – die Temperaturen  - hartnäckig auf 31/32° C.

Kühle gibt es also nur mit Klimaanlage und im Kühlschrank. Wenn dann, wie vor ein paar Tagen, der Strom ausfällt, wird es unlustig. Dann kann man nur hoffen, dass die Lebensmittel in Gefrierfach und Kühlschrank nicht verderben. Beides – ich meine ausgiebige Nutzung der Klimaanlage und verdorbene Lebensmittel wegen Stromunterbruch – gehen ins Geld.

Ökologisch alles völlig daneben. Mit ein paar baulichen Massnahmen (und vielleicht etwas weniger Geldgier) könnte man einige Erleichterung erreichen. Dafür fehlt wohl der Wille.

Heiss betrifft auch das Auto. Weshalb hier kaum jemand überdachte Parkplätze anbietet, verstehe ich auch nicht. Aber an Parkplätze denkt man hier ja eh nicht, sondern nur an Gebäude, die vermietet oder verkauft werden. Dabei würde ich gerne für einen überdachten, schattigen Parkplatz bezahlen.

Zu beachten gilt in der Bruthitze noch mehr: Zum Einkaufen unbedingt eine Kühltasche mitnehmen und das Erstandene schnurstracks nach Hause bringen. In den Kühlschrank, auch wenn es sich um Brot, Bananen oder Nagellack handelt.

Wer zur Bank oder in ein Einkaufszentrum möchte, tut gut daran, ein Tuch oder Jäckchen mitzunehmen, denn an solchen Orten wird auf 22° C runter gekühlt. Man stelle sich vor: von 40° auf 22° - ein Schock!

In Überlandbussen wird die Umgebungsluft noch tiefer gekühlt, da kann man sich locker eine schwere Erkältung oder beinahe Erfrierungen holen (ja, das ist etwas übertrieben, aber Knochen und Muskeln melden sich früher oder später).

Aber im Normalfall ist Schwitzen angesagt und das heisst dann wieder: Sehr viel Flüssigkeit aufnehmen und viel Wäsche waschen…

… und sich aufs Wochenende freuen, um im Pool oder im Meer abzutauchen J. Dann ist es für einen Moment nicht mehr Alltag.

1 Kommentar:

  1. Habe eine Idee dazu. Einfach einen Kühlschrank kaufen, alle Fächer rausnehmen, eine Wasser Zuleitung von der Zisterne und eine Ableitung ins Haus für ein passendes Kunststoffgefäss legen, der gekühlte Kunststoff-Wasserbehälter im Kühlschrank kann mit Solarstrom betrieben werden. Eine Art Durchlaufkühler für wenig Geld.

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