13. April 2015

Mons Claudianus – ein Ausflug zu den römischen Steinbrüchen

Die Arabische Wüste zwischen dem Roten Meer und dem Nil ist nicht nur reich an Sand, sondern auch an Edelsteinen, Gold, Mineralien und Steinen. Das schätzten schon die alten Ägypter: Sie bauten in meist offenen Bergwerken Edelsteine für Schmuck und Dekorationen ab; die Steinbrüche lieferten Säulen, Sarkophage und weiteres Baumaterial für Pyramiden und Tempel.

Auch die Römer haben sich dieser Schätze bedient und die Art und Weise des Abbaus verfeinert. Im Wadi Hammamat, zwischen El Quesir und Quena, liegt Mons Claudianus, angeblich die am besten erhaltene Römer-Siedlung inmitten mehrerer Steinbrüche.

Es ist egal, ob man hoch über dem Fort steht oder mitten drin, was der Besucher zu sehen bekommt, ist faszinierend: Mitten in den Bergen, mitten in der Wüste, mitten im Nichts und unter der gnadenlos brennenden Sonne liegt die verfallene Siedlung. Offenbar war Mons Claudianus nicht nur eine schlichte, temporäre Behausung, sondern luxuriöses Heim für gut bezahlte Arbeiter, denen an Nichts mangelte. Wer sich die Zeit nimmt und durch die Häuserreihen geht, wird noch mehr staunen: Mauern aus perfekt aufgeschichteten Steinplatten und bestens erhaltenen Lehmziegeln, Wasserbecken und Stufen-Badewannen, Nischen und Wasserkanäle sind zu entdecken. Tausende von Tonscherben liegen herum – was wohl darin aufbewahrt wurde?

Gut erkennbar sind auch die von den Wohnhäusern getrennten Stallungen. Auf einer Anhöhe über der Siedlung thronte ein Tempel, zu dem weite Säulen-Stufen hinaufführten.

Leider verfällt die Siedlung immer mehr und damit geht wertvolles Material für archäologische Untersuchungen verloren. Obwohl seit Anfang des 20. Jahrhunderts hin und wieder Wissenschaftler kamen und bei ihren Untersuchungen viele Erkenntnisse gewonnen haben, bleiben doch viele Fragen unbeantwortet. Man weiss inzwischen, wie sich die Bewohner ernährt haben, aber es ist noch immer Spekulation, wie die mehrere Tonnen schweren Säulen aus dem Steinbruch und durch die Wüste bis zum Nil gebracht wurden. Mons Claudianus scheint für den ägyptischen Staat und für Archäologen leider nicht so interessant zu sein, wie die pharaonischen Tempel und Grabstätten. Ist irgendwie auch verständlich, denn erstens wimmelt es in Ägypten von historischen Stätten und zweitens ist die Arabische Wüste trocken und abgelegen. Vielleicht ist es auch besser so?

Als ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal herkam, wanderten wir von Nord-Westen ins Tal hinein, wo die riesige Säule liegen geblieben ist und von dort direkt hinüber und hinab zur Siedlung. Der ganze Trip dauerte einen halben Tag mit An- und Rückreise.


Tempel - Mons Claudianus

Diesmal starteten wir bei der Siedlung und besuchten diese zuerst ausgiebig. Anschliessend nahmen wir den zuerst steilen Weg unter die Füsse, wobei wir immer wieder an Steinbrüchen, Lesehaufen und faszinierend schönen Felsen vorbei kamen. Überall sind Spuren von Steinspaltung zu sehen. Während wir gemütlich an Höhe gewannen, machte uns Robby auf Besonderheiten aufmerksam: weiter entfernt liegende Steinbrüche und Pfade dorthin (wie um Himmels Willen wurden von dort die Steine hinab transportiert?), Lehmziegel, Tonscherben, der zugemauerte Eingang zu einer Goldmine… Er hat hier Tage und Wochen verbracht, kennt jeden Winkel und jeden Steinbollen. Ich blieb öfter stehen und malte mir aus, welch emsiges Treiben hier geherrscht haben mag: dunkelhäutige, muskelbepackte Arbeiter, die in der Hitze Keile in vormarkierte Stellen trieben, Felsblöcke spalteten, die gewonnen Stücke vor Ort zu Becken und Säulen verarbeiteten, diese auf Rollen oder Brettern vorsichtig ins Tal schafften, die Rufe, der Durst, der Schweiss… bis nach Rom wurden die Dinger transportiert – und das vor beinahe 2‘500 Jahren. Aufregend. Was die Römer alles unternahmen, um ihren Prunk aufrecht zu erhalten!

Während wir überlegten und mutmassten, gelangten wir hinab zur angeblich 200 Tonnen schweren Säule, die jeder fotografiert und auch im Internet zu finden ist.

Später dann zeigten uns Robby und Scheich Abd El Saher eine Quelle, wo normalerweise Kamele getränkt werden, momentan aber versiegt ist. Der Scheich liess uns an Kräutern riechen, nennte deren Namen und erklärte uns ihre Verwendung.

Wir fuhren ein Stück raus aus den Bergen und machten am Rande eines weiten Tales an einer schattigen Felswand Rast. Der Scheich richtete den Ofen ein: vertrocknete Dornbüsche zerkleinerte er zuerst mit einem Stein und verwendete sie als Zunder für die Kohle. Im Nu prasselte ein Feuer, über dem Robby wie immer eine leckere Mahlzeit zubereitete. Perfekt war’s und zwar so sehr, dass ich mich vor und nach dem Essen faul auf dem Teppich lümmelte und am liebsten liegen geblieben wäre.

Doch wir hatten noch einen weiten Weg und ein paar Überraschungen vor uns: Einmal fuhren wir eine steile Sanddüne hinab – juhuiii – ich wär am liebsten hinuntergerollt! Ein andermal, es war schon dunkel und die Einlage passte mir so richtig: durch das Geholper beim Fahren über die unebenen Sandpisten hatte sich eines der Reserveräder auf dem Dach gelöst und zwang uns zum Anhalten. Während Robby das Ding wieder festzurrte, stieg ich aus und holte mir eine Belohnung: ein Märchenhimmel aus Tausendundeiner Nacht, eine goldene Mondsichel am halbdunklen Abendhimmel, daneben die leuchtende Venus, darunter die dunkle Silhouette der Red Sea Mountains, davor die weite Sandebene. Wenn es nicht Wirklichkeit wäre, wäre es einfach kitschig. Ehrlich gesagt: ich kann und kann nicht genug kriegen von der Faszination der Wüste und ihren Geheimissen und bin dankbar, in Robby einen fachkundigen Führer gefunden zu haben.

Die folgenden Fotos mögen euch einen Eindruck geben:

Anfahrt quer durch die Wüste
Tempel - Mons Claudianus
Rest eines Durchgangs - Mons Claudianus
Innerhalb eines Hauses - Mons Claudianus
Hauseingang - Mons Claudianus
Hobby-Wissenschaftler - Mons Claudianus

fast 2'500 Jahre altes Becken - Mons Claudianus


wäre auch toll zum Reibungsklettern ;)

Transport-Trassee - Mons Claudianus
Scheich Abd El Saher und Robby Schropp von iQ-onTours



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