17. Dezember 2014

So ein Zirkus

Heute war also der grosse Tag: der ägyptische Präsident El Sisi ist nach Hurghada (geflogen) gekommen und hat den neuen Flughafen eröffnet.

Schon gestern ist der Innenminister angekommen (das ist der, der für die Polizeigewalt und Folter zuständig ist). Drei Helicopter hat das gebraucht.

Heute nun schwebten stundenlang Helicopter über der Stadt. Sämtliche Hauptstrassen waren abgeriegelt, für den normalen Verkehr war kein Durchkommen mehr. Touristenbusse, Angestellte, Privatfahrzeuge und Minibusse mussten im Stau warten, bis der Herr Präsident mit Ministern, Gouverneur, Vertretern der Armee und wer weiss noch alles, durchfuhr. Die Müllwagen der HEPCA sowie die Wassertankwagen aus dem Vorletzten Jahrhundert wurden kurzerhand von den Strassen verbannt.

Auch der Flugverkehr wurde „aus Sicherheitsgründen“ für eine halbe Stunde angehalten. Gefreut hat es sicher die Touristen. Ferner wurden Ausflüge ab der Marina und ab verschiedenen Hotels abgesagt. Ob sich die Anbieter von Ausflügen darüber auch gefreut haben?

Was hat El Sisi gesehen? Taufrisch geteerte und markierte Strassen, Absperrungen, alle fünf Meter eine ägyptische Flagge sowie Absperrwände, die mit Fahnen und seinem Bild dekoriert sind. Dahinter dösen Abfall, Schutt, halbfertige oder verfallene Gebäude vor sich hin. Im Hotel Steigenberger Al Dau war er auch – deshalb wurden die paar Hundert Meter Strasse dorthin auch aufpoliert.

Mir haben am besten die bissigen und sarkastischen Kommentare auf Facebook gefallen. Dabei ist es nicht wirklich lustig, wenn man daran denkt, was man mit den mehreren Millionen Euro für diese paar Stunden Besseres hätte anstellen können.


7. Dezember 2014

Hurghada putzt sich raus

Während der vergangenen Jahre ist Hurghada recht verlottert: Strassen wurden aufgerissen und wenn, dann nur notdürftig wieder instand gestellt. Pflastersteine wurden wer weiss wofür verwendet, Randsteine abgebrochen, geknickte Strassenpfosten liegen gelassen. Das Resultat waren Stossdämpfer und Reifen beanspruchende Gräben und Löcher, in denen manchmal ganze Autos verschwanden. Zu dem Anblick gesellen sich weggeworfene Plastikflaschen und -säcke, Glasscherben, Bauschutt, Hotelabfall, überfahrene wilde Hunde und verendete Esel.

Noch schlimmer wurde es, seit Wasserrohre verlegt werden. Quer durch die Stadt und in die Aussenbezirke wurden die Rohre entlang der Strassen und Gehsteige abgelegt und gelagert. Irgendwann wurden Gräben ausgehoben, einige Rohre verlegt und die Gräben notdürftig mit Sand zugeschüttet. Der Verkehr quält sich durch das Labyrinth von Bodenwellen, Gräben, nicht gesicherten Schächten und Löchern und sucht sich in allen Fahrtrichtungen den Weg – in Einbahnstrassen, durch Quartierstrassen oder im Zickzack.

Seit einigen Wochen jedoch sieht man schwere Baumaschinen, die Gräben zuschütten und Strassen asphaltieren. Junge haben die Pfosten der Strassenlampen gestrichen – zuerst jene an der Fussgängerpromenade silbrig, dann jene in der Flughafenstrasse grün. Neulich sah ich sogar, dass die Lampen geputzt wurden – ich dachte schon an eine Fatamorgana! Randsteine sind frisch gesetzt und leuchtend gelb/schwarz bemalt worden. Das allerschönste habe ich aber heute Morgen entdeckt: die Flughafenstrasse ziert ein gelber Randstreifen und wunderschöne, dicke, weisse Mittelstriche, welche die Fahrbahnen trennen!

Wer nun meint, all diese Putzerei sei für die Touristen, um ihnen den erbärmlichen Anblick zu ersparen, der täuscht sich. Präsident Abd El Fattah El Sisi wird erwartet, um den neuen Flughafen zu eröffnen. Gerüchte darüber zirkulieren schon seit Oktober herum, angeblich soll es kommende Woche so weit sein.

Schade ist nur, dass nur ein kleiner Teil der Stadt herausgeputzt wird – der grosse Rest bleibt leider, wie er ist: verlottert.


19. November 2014

Für Geniesser: Nil-Kreuzfahrt mit der Dahabeya „Albatros“

Einmaliges Erlebnis

Vor vier Jahren (siehe hierhabe ich eine ausgefallene Nil-Kreuzfahrt erlebt, und zwar auf einer Dahabeya. Dahabeyas sind typisch ägyptische Segelschiffe, mit denen im 19. Jahrhundert elitäre Touristen den Nil befuhren, um in Assuan den Winter zu verbringen und unterwegs die glanzvollen pharaonischen Sehenswürdigkeiten zu besichtigen oder einfach, um sich die Zeit zu vertreiben. 

Dahabeya "Albatros"

Dank dem flachen Rumpf kann die Dahabeya überall anlegen, auch an Nil-Inseln und an seichten Uferstellen. Das ermöglicht Zugang zu kleineren, seltener besuchten Stätten und Einblick in die ländliche Gegend, einen Besuch in einem oberägyptischen Bauerndorf oder einen Spaziergang über fruchtbare Äcker und unter dicken Bananenstauden.

Trotz Sicherheit: verwaiste Tempel und verlassene Pharaonengräber 

Ägypten hat in diesen vergangenen vier Jahren schwere Zeiten durchlebt und ist noch weit von Ruhe und Stabilität entfernt. Über Jahrtausende unverändert geblieben sind der Nil und die einzigartige, bezaubernde Landschaft an seinen Ufern. Besucher in den berühmten historischen Stätten zwischen Luxor und Assuan sind rar, obwohl diese Region sowie die Gebiete am Roten Meer als sicher gelten. Die meisten der grossen Kreuzfahrtschiffe liegen in Luxor vor Anker, viele der kleineren Dahabeyas wenige Kilometer weiter südlich ebenso. Kein Gedränge in den Tempeln, Ruhe in den Museen und attraktive Preise ziehen Geniesser und Kenner an, die sich nicht von den immer gleichen, auf Schrecken und Terror fokussierten TV-Nachrichten abschrecken lassen. Ein Blick auf die Landkarte zeigt: zwischen Kairo und Assuan liegen um die Tausend Kilometer Distanz – und mehrere Welten!

Einmalige Gelegenheit

Eine Nilfahrt mit der Dahabeya „Albatros“ bleibt ewig in Erinnerung und bietet einen Einblick in ein völlig anderes Ägypten, als es uns die Medien und die Standard-Ferienkataloge vermitteln. Für all jene, die fern dem Trubel des Massentourismus und aussergewöhnlich reisen möchten, haben die Besitzer der Dahabeya „Albatros“ auf meine Bitte hin ein Angebot zusammengestellt, speziell für meine Leser und ihre Freunde:
Einwöchige Nil-Kreuzfahrt mit der Dahabeya „Albatros“ inkl. Unterkunft in eleganten, modernen Doppelkabinen, erstklassiger Verpflegung an Bord sowie Besichtigungen in Luxor und Assuan mit deutschsprachigem Ägyptologen:
Reisedaten:
7. bis 14. Februar 2015
7. bis 14. März 2015
4. bis 11. April 2015
Preis pro Person und Woche Euro 650.00 (Basis bei mindestens sechs Personen, maximal 12 Personen). Weitere Informationen und Anmeldungen bitte direkt an mich (elqamar.hurghada@gmail.com) oder an die Besitzer der Dahabeya (www.dahabeya-albatros.com).

Selbstverständlich fährt die Dahabeya „Albatros“ auch zu anderen Zeiten und zu anderen Preisen. Ich würd gerne nochmals mitfahren.

Weitere Bilder:

mit gesetzten Segeln

auf Deck

auf Deck

auf Deck

auf Deck

Sonnenliegen auf Deck

Salon unter Deck

Salon unter Deck

Doppelkabine mit Balkon

Doppelkabine, Blick ins Bad

Privat-Balkon

Blick ins Bad mit Duschkabine

Doppelkabine



10. November 2014

Warum vergessen wir?

Oder: weshalb sich die Geschichte wiederholt.

Es gibt zahlreiche Mahnmale, Denkstätten und Orte zur Erinnerung an die Gefallenen in Kriegen, an Völkermord, an Unrecht, an Naturkatastrophen, an Epidemien, an Not. Völker, Rassen, Andersgläubige, Aufständische, Mittellose, Kinder, Frauen oder ganz einfach unschuldige Zivilisten waren Opfer. „Wider das Vergessen“ liest man auf poliertem Granit und in Zeitungsüberschriften. „Nie mehr Krieg“. Trotzdem vergessen wir Menschen und werden an Jahrestagen aus unserer Lethargie für ein paar Sekunden oder Minuten wachgerüttelt.

Wie dieser Tage, da Deutschland den Mauerfall vor 25 Jahren feiert. Was zusammen gehört, darf nicht getrennt werden und muss wieder vereint werden. Allen Deutschen ist dies klar, wenn sie dieser Tage die bewegenden Bilddokumente und Erfahrungsberichte verfolgen. Viele erinnern sich, waren selbst direkt oder indirekt betroffen. Ich erinnere mich auch daran, genauso wie an den 9.11.2001, weil ich im Ausland weilte und mich in einer besonderen Situation befand.

Trotzdem werden rund um den Globus munter Mauern zwischen Völkern hochgezogen, wie z.B. in Israel. Ägypten ist dabei, eine „Pufferzone“ zu Israel zu erstellen und hat die Bewohner am Grenzgebiet kurzerhand umgesiedelt.

Der Kalte Krieg gehört in die Vergangenheit – richtig? Doch Achtung: Die Geschichte wiederholt sich, der Kalte Krieg steht vor seiner Wiedergeburt.

Kraft der Farben

Dieses Bild wurde mir von einem Freund zugestellt und ich möchte es mit meinen Lesern teilen. Es zeigt einen Stand im Obst- und Gemüsemarkt (Souq El Chodary) in Dahar. Das Rot der Granatäpfel, das Gelb der Limonen, Äpfel und Bananen, das Orange der Khakis und der Orangen im Hintergrund und das Grün der Mangos... die Farben drücken so viel Kraft und Energie aus, die unweigerlich auf den Betrachter hinüber fliessen. Ich liebe die Art und Weise, wie hier Obst und Gemüse zum Verkauf aufgetürmt werden, es ist eine Augenweide und Seelenbalsam.

Bild: Ernst Moos

25. Oktober 2014

Betrug am Flughafen Hurghada

Betrogen wird überall in Ägypten, im kleinen wie im grossen Stil. Touristen sind ein leichtes Opfer, denn sie kennen die „landesüblichen“ Gegebenheiten nicht. Gutmütigkeit, Unwissenheit und Situationen werden schamlos ausgenützt. Nicht von allen, aber leider viel zu oft.

Eine Freundin hat mir folgenden Vorfall erzählt:

Sie meldete bei Egypt Air (Mitglied von Star Alliance!) Zusatzgepäck für einen Flug nach Europa an. Pakete und Kisten wurden verpackt, verklebt, verschnürt, vermessen und gewogen. Eine Bekannte, die in einem Reisebüro arbeitet, hat das für sie erledigt. Ungefähre Kosten: rund 150 US-Dollar. Als meine Freundin am Abreisetag mit ihrem Gepäck einchecken wollte, hiess es, im Computersystem sei keine Anmeldung vorhanden. Drei oder vier Herren standen ratlos da, suchten vergeblich nach der Reservation und boten an, nach einer Lösung zu suchen. Nach einigem Hin und Her meinten sie, sie hätten noch Platz gefunden, aber es würde 450 US-Dollar kosten. Verzweifelt und gesundheitlich angeschlagen handelte meine Freundin den Preis auf 300 US-Dollar herunter.

Nach ihrer Ankunft informierte sie die Bekannte, die für sie die Reservation angemeldet hat und siehe da: alles war richtig im System verbucht. Die Angestellten beim Checkin von Egypt-Air im Flughafen von Hurghada stecken unter einer Decke, um sich einen schönen Batzen zusätzlich zu verdienen!

Die Bekannte hat nun alle Unterlagen samt Telefonbändern nach Kairo an die Zentrale geschickt und den Vorfall gemeldet. Ferner hat sie meiner Freundin erzählt, dass die Angestellten von Air Berlin am Checkin 15 US-Dollar pro Checkin verlangen! Auch das eine „erfundene“ Gebühr, die ein unwissender Tourist bezahlt und den Angestellten tolle Zusatz-Einnahmen beschert. Bis sie ertappt werden.

Ägypten verreckt fast. Das Land braucht dringend Investitionen und Touristen. Es krümmt aber keinen Finger, um die Betrügereien vom WC-Putzer über die Taxifahrer, weiter zum Direktor bis hoch zum Gouverneur auszumerzen, die Infrastruktur zu verbessern, die vielen Schikanen und Belästigungen einzudämmen und endlich einen Tourismus-würdigen Service anzubieten. Irgendwann kommt einfach niemand mehr in dieses schöne Land, und wenn es noch Hundert Mal am meisten Tempel und historische Stätten, 365 Tage Sonnenschein, unendliche Wüstenlandschaften und herrliche Tauchgründe besitzt. Genug ist einfach irgendwann genug.

Nachtrag:
EgyptAir strebt einen Vergleich an - damit kann sie einer Anklage entgehen.

Ein Freund, der am Flughafen arbeitet, hat mir noch anderes erzählt: Es ist ja verboten, den Putz- und WC-Leuten Trinkgeld zu geben. Sie betteln trotzdem darum. Damit die Polizei nicht eingreift, kassiert diese munter mit.
Korruption ist Alltag. Und ich staune nach über sechs Jahren Aufenthalt immer wieder aufs Neue darüber.

21. Oktober 2014

Unterwegs – Sein

Für Mami, Nunschka und alle, die das Unterwegs-Sein lieben

Aufgeregtheit. Müde, mit wenig oder gar keinem Schlaf, irgendwann zwischen Mitternacht und Morgengrauen, weiss nicht genau, weiss nur, dass ich endlich, endlich wieder das tun werde, was ich so sehr liebe.

Aufgeregt, aber nicht nervös. Habe ich alles eingepackt? Bilder von Gegenständen erscheinen in  meinem Gedächtnis: ja. Der Reissverschluss surrt, das Schloss schnappt zu. Wie immer: schwer.

Die Luft vibriert. Herumwirbelnde Wortfetzen in fremden Sprachen aus fernen Ländern. Düfte, Gerüche, Gestänke. Menschen, die ihren Worten davon eilen, hinter sich Länder und Liebe lassen, um sie woanders zu vermissen. Oder auch nicht.

Aufgeregtheit, die erquickend wie frische Waldbeeren schmeckt. Dabei ist nicht die Zunge ausgetrocknet, sondern der Geist, der sich nach dem Neuen, dem Anderen, dem Unbekannten sehnt, nach der Herausforderung des Fort-Seins und sie wie einen ausgetrockneten Schwamm aufsaugt.

Endlich bin ich wieder unterwegs! Die Vergangenheit entwischt. Mit ihr entschwindet auch die Kleinheit der Menschenseelen, ihren Freuden und ihren Sorgen. Unwichtig.

Auch die Wirklichkeit verwischt wie die Landschaften, die vor dem Fenster vorbeihuschen oder sich unter den Wolkenfetzen verstecken. Sie hören auf zu existieren, werden zu Bildern. Alles löst sich auf, nur das Jetzt zählt: unterwegs sein, sein ohne zu bleiben, ohne Bindung, aber auch ohne Arme, die halten und auffangen. Denken und Träumen verschmelzen ineinander. Wo gehöre ich hin, wann komme ich an, wo bin ich jetzt? Wer bin ich überhaupt? Bin ich? Ja ich bin, zwischen Zeit und Raum, zwischen den Welten, frei von Sorgen und Freuden, nur beladen mit Erinnerungen und einer verschwommenen Idee vom Ankommen am Ende des Unterwegs-Seins, das irgendwann wieder zum Anfang wird.

Kleinkarierte Landschaft, grüne Flecken im unendlichen Blau, weisse Häubchen auf den Spitzen… ich möchte gar nicht ankommen, den Glücksrausch nicht unterbrechen, zwischen Raum und Zeit verharren.