9. Juli 2017

Offener Brief: Sehr geehrter Herr Hoteldirektor

Wir haben mal miteinander über Qualitätsmanagement und ROI diskutiert. Erinnern Sie sich? Heute, als ich an Ihrem Hotelstrand war, ist mir das wieder eingefallen.

Noch bevor ich mich auf die Liege gelegt habe, habe ich zwei Handvoll Plastikabfall aus dem Meer gefischt. Die Wellen haben ihn hin und her geschubst. Später dann habe ich einen Spaziergang der Bucht entlang und hinüber zur Insel gemacht und was ich dort sah, nun, das war nicht nur eklig, sondern auch schockierend: zwischen den Steinblöcken türmen sich PET-Flaschen und Plastiktüten, Zigarettenschachten und anderes Zeugs. Sicher ist das mit der Meeresströmung herangeschwemmt worden. Aber auch auf dem Boden der kleinen Insel fand ich dasselbe: Plastikbecher, Pampers und PET-Flaschen, die unter den Palmen deponiert worden waren.

4. Juli 2017

Im Wunderland

Je weiter südlich man dem Roten Meer entlang fährt, umso einsamer wird es. Ein paar halbfertige oder funktionierende Hotelanlagen, viel Wüste, im Hitzedunst verschwindende Berge und das in allen Blauschattierungen schillernde Rote Meer.

Atemberaubend schön.
Atemberaubend einsam.
Atemberaubend still.

Nördlich und südlich der Stadt Marsa Alam hat die Regierung eine Zone für ökologische Ferienanlagen ausgeschieden und so sind einige „Öko-Camps“ entstanden. Als ich für mich eine Unterkunft gesucht habe, habe ich nur wenige Camps gefunden, die auch in Betrieb sind. Einige sind teurer als Fünf-Sterne-Hotels (selbst bei Übernachtung im Zelt!), einige sind billig und heruntergewirtschaftet. Alle entstanden zur Hoch-Zeit des Tourismus. Seit 2011 fehlt es aber an Touristen und dringend notwendige Renovationen und Investitionen können nicht finanziert werden. Einige haben aufgegeben, andere versuchen irgendwie weiterzumachen.

2. Juli 2017

Hitzelahm

Der Strom wird tagsüber abgestellt. Der Generator ist verstummt. Nur der zarte Wind ist zu hören und nur er ist es, der das Sein im Schatten erträglich macht.

Eine bleierne Hitze liegt seit Tagen über dem Land und weil es ihr hier so gefällt, bleibt sie noch ein bisschen. Angeblich sind es über 40° C. Doch alles, was mal über 38° C liegt, fühlt sich sowieso gleich an: als ob jemand den Haartrockner und den offenen Backofen auf höchster Stufe laufen liesse. Sicher sind es 45° C.

Es ist so heiss, dass der Schweiss unablässig fliesst und grad wieder trocknet – es sei dann, man befindet sich in einem windstillen Winkel. Es ist so heiss, dass ich kaum auf die Toilette muss, obwohl ich etwa vier Liter Flüssigkeit in mich hineinschütte. Es ist so heiss, dass Bewegungen höchstens in Zeitlupentempo ausgeführt werden. Lieber gar nicht bewegen.

Ausgerechnet jetzt sitze ich weit im Süden Ägyptens, die Grenze zum Sudan liegt keine 200 km weit entfernt. Es ist zu heiss, um in die Wüste zu fahren, zu heiss, um an den Strand zu gehen. Später, wenn die Sonne sich dem Horizont zuwendet, hupf ich mal ins Meer.

Während ich schreibe, hat sich ein Hündchen zu mir gesellt. Das arme Tier ist völlig am Anschlag, das Wasser, das ich in eine abgeschnittene PET-Flasche gefüllt habe, leckt es gierig auf.


Damit mein Laptop nicht auch mit der Hitze hops geht, mach ich ihn jetzt zu.



29. Juni 2017

Das Lachen vergangen?

Was ich an den Ägyptern bewundere und liebe, ist ihr Humor. Sie schaffen es, über die schlimmsten Zustände in ihrem Land einen, nein: unzählige Witze zu reissen.

Der Schiefe Turm von Alexandra
Man stelle sich vor: man liegt im 10. Stock im Bett oder guckt Fernsehen und plötzlich nähert sich die Fassade des Nachbarhauses. Sie nähert sich nicht nur, der Wohnblock drückt sich in die Wohnung rein, zerstört Wände und Möbel. Eine unglaubliche Katastrophe, möglich nur, weil das Land von Korruption wie von Krebs zerfressen ist. Der Besitzer des Hauses hatte die Bewilligung zum Bau von drei oder vier Stockwerken (je nach Quelle). Gebaut hat er 14 Etagen (soweit ich mich nicht irre). Irgendwann hat der Grund hat unter dem Gewicht nachgegeben und das Ding ist gekippt.

17. Juni 2017

Erlebnis Einkaufen im Supermarkt

Reglos sitzen sie da, junge Männer auf Kisten oder am Boden vor Regalen. So zumindest scheint es auf den ersten Blick. Doch sie bewegen sich - im Schlaftablettentempo.

Mehrmals gehe ich suchend am selben Regal vorbei und beobachte, wie ein fülliger junger Mann dieselbe Zahnpastaschachtel milimeterweise verschiebt, seine Hände sinken lässt, dann die Bewegung von vorne wiederholt. Immer wieder, genau in dem Moment, als ich hinter ihm vorbeigehe.

Arg ist das. Ok, es ist Ramadan. Und vermutlich sind das junge Studenten, die in den vier Monaten dauernden Ferien ein paar Pfund verdienen möchten. Entsprechend der Entschädigung bewegen sie sich auch: minim. Zusätzlich mühsam für den Kunden ist das, weil die den Weg zwischen den Waren versperren.

Momentan quillt der Laden über von Palletten mit Sonderangeboten: 5 Kilo Reis, 10 L Kochöl, 3 Kilo Kochfett, Grosspackungen Putzmitteln und anderem Zeugs, das in einem ägyptischen Grosshaushalt im Nu verschwindet. Dadurch hat es noch weniger Platz als sonst, um sich durch die Warenberge zu schlängeln.

In diesem Supermarkt ist das besonders wichtig, denn der willige Käufer findet höchstens zur Hälfte der angebotenen Waren die zugehörigen Preise. Entweder ist gar kein Preisschild vorhanden, es ist kaum lesbar oder es ist falsch. Dafür gibt es in der Nähe der Kassen Bildschirme, an denen die Preise der Waren abgelesen werden können. Zu meinem Betrüben sind die oft falsch programmiert. Im schon erwähnten 50%-Schnitt. Vorgestern war es schlimmer: von drei gescannten Waren erhielt ich völlig falsche Bezeichnungen. Da gibt es nur eins: Ware zurück ins Regal bringen und auf ein andermal warten, hoffen oder woanders suchen. Geduld bringt Rosen, habe ich gelernt, und in Ägypten ist Geduld eine Tugend. So kommen doch ein paar Kilometerlein in dem riesen Geschäft zusammen.

Nein, das ist nicht übertrieben, denn auch die Suche nach den Produkten ist aufwändig. Manchmal sind sie plötzlich woanders, manchmal findet man sie zufällig, manchmal sind sie einfach unauffindbar. So kommen hübsche Distanzen zusammen.

Und aus dem Erlebnis wird Frust. Ich hasse Einkaufen sowieso und lasse deshalb immer eine grosse Liste zusammenkommen, damit sich das Abenteuer auch lohnt. Das Abenteuer ist allerdings endlos, denn ich verlasse die Warenhalle immer mit einem Einkaufszettel, auf dem mindestens ein Viertel der benötigten Dinge nicht abgestrichen ist. Quasi Endlosabenteuerfrust. Zum Glück habe ich mich daran gewöhnt.

Auch an die Poster, die über den Warenbergen auf Palletten stecken. Die sind oft nur in Arabisch beschriftet, wobei sonst alles zweisprachig angeschrieben ist. Oder die Poster stehen beim falschen Warenhaufen. Oder es gibt Warenhaufen ohne Poster, also ohne Preise, Mengen und Bezeichnungen. Das ist mühsam und trägt zu den Kilometerlein und dem Endlosabenteuerfrust bei.

Doch es gibt auch Heiteres, wie das Poster hier, das ich über einem Gebirge von „Kahk“ (man spreche das H bitte aus) – speziellen Keksen mit viel Puderstaub zu den Feiertagen am Ende des Ramadans: über der Zuckerverführung steht gross in Englisch und Arabisch: Getränke!
Und so marschiere ich lachend zur Kasse und vergesse den Endlosabenteuerfrust.


da passt was nicht 😊

11. Juni 2017

Ramadan Momente

„Nein, ich faste nicht, ich sehe auch keinen Sinn dahinter“, war meine Antwort auf die Frage, ob ich es schon mal ausprobiert hätte oder ausprobieren wollte. Der Fragesteller, ein untersetzter Mann mittleren Alters, fastet. Aber er ist einer von jenen, die den „einfachen“ Weg gehen. Er arbeitet am Tag nicht, sondern schläft. Das ist nicht die Idee vom Fasten im Ramadan, aber viele tun es ihm gleich. Zu hart ist es, knapp vierzehn Stunden am Tag nichts zu essen und nichts zu trinken. Bei Temperaturen von 35°C bis 40°C.

Ich kenne medizinisches Fasten. Da wird gar nichts gegessen. Eine Woche lang, zwei Wochen lang. Nur flüssige Nahrung wird aufgenommen, zuerst Suppen, dann noch Säfte. Hier im Ramadan wird aber nachts zugelangt, worauf man am Tag verzichtet hat. Ist das Fasten? Und gesund soll es sein, bei diesen Temperaturen nichts zu trinken? Ich bezweifle das. Aber schlussendlich ist es nicht mein Entscheid, sondern ich gucke nur zu.

8. Juni 2017

Auf ein Glas Wein

Ägypten ist ein islamisches Land – so steht es in der Verfassung. Im Gegensatz zu anderen islamischen Ländern ist der Genuss von Alkohol jedoch erlaubt.

Die Pharaonen brauten Bier und die Ägypter haben diese Tradition beibehalten. Es gibt auch Weinreben aus deren Trauben Weiss-, Rosé-, und Rotweine hergestellt werden. Die Qualität unterscheidet sich leider noch etwas von wirklich guten Weinen, da ist noch Potential vorhanden.

Getrunken wird fleissig – nicht nur an Touristenorten wie Hurghada. In Hotels, Bars und Restaurants gibt es Wein und Bier und andere einheimische und importierte Spirituosen, sofern sie dafür eine Erlaubnis haben. Doch Alkohol einkaufen funktioniert hier anders als in Europa und ist zudem wegen der hohen Alkoholsteuer schrecklich teuer – bezüglich Qualität und Kaufkraft. Importierte Spirituosen sind für Normalsterbliche quasi unerschwinglich.