Dienstag, Januar 14, 2014

Hoffnungsvoll

Wenn ich die Bilder betrachte, die im Internet vom ersten Tag des Referendums über die Verfassungsänderung zirkulieren, und mir die Äusserungen meiner ägyptischen Bekannten anhöre sammeln sich Tränen in meinen Augen.

Die Menschen stimmen mit „Ja“, denn sie wünschen sich endlich wieder Ruhe und Frieden im Land. Sie haben genug von den Demonstrationen, von den Versprechungen der Religionsvertreter und von den Anschlägen. Sie sind müde und erschöpft nach drei Jahren voller Hoffnung und Kampf – der momentan völlig sinnlos wirkt. Sie wollen wieder leben, lachen und arbeiten. Sie wollen wieder essen, trinken und singen. Sie wollen wieder über Fussball diskutieren und nicht über Politik.

Wer kann’s ihnen verübeln???

Mein Wachmann hat letztes Jahr noch voller Freude gemeint, Morsi habe sich des Militärs entledigt, alles werde gut – Inscha’allah. Heute sagte er voller Freude, jetzt wird alles gut – Inscha’allah – und das Militär sei kein Problem. Freiheit komme dann mit der Zeit. – Ich kann ihn und die anderen 50 Millionen verstehen…

Sonntag, Januar 12, 2014

Maul halten

Ägypten eilt mit Riesenschritten in die repressive Vergangenheit. Wer nicht dafür ist, ist dagegen, wird zum Staatsfeind erklärt und mundtot gemacht.

Das kürzlich erlassene „Demonstrationsgesetz“ dient nicht nur dazu, die zur Routine gewordenen Kundgebungen der Muslimbrüder einzudämmen und gegen sie gewaltsam vorzugehen. Damit werden auch die „Gegner“ des jetzigen Regimes zum Schweigen gebracht. Wer sind diese Gegner? Wovor haben die Machthaber Angst?

Momentan sitzen Dutzende von namhaften und Hunderte von weniger berühmten Aktivisten in Gefängnissen. Es sind jene Mutigen, die hinter dem Aufstand vom 25. Januar 2011 stehen. Tausende weitere Unschuldige, die zur falschen Zeit am falschen Ort gingen, sassen oder standen, neben Journalisten, Muslimbrüdern und anderen „Staatsfeinden“ sitzen auch hinter Gittern. Den Aktivisten wird vorgeworfen, unerlaubt demonstriert, zu Kundgebungen aufgerufen zu haben oder – noch schlimmer – Staatseigentum beschädigt oder einen Polizisten angegriffen zu haben. Wer den Mund auftut, um seine Meinung zu sagen, läuft Gefahr, von der Polizei abgeführt zu werden. Anlässlich der Wiederaufnahme der Gerichts-Verhandlung zur Tötung von Khaled Said wurde ein Dichter abgeführt; vor dem Gericht hielten einige Demonstranten Schilder hoch und verlangten Gerechtigkeit (für Khaled Said). Als einige von ihnen von der Polizei abgeführt wurden, fragte der Dichter einen Polizisten: „weshalb nehmt ihr sie mit?“. Jetzt sitzt er auch (Masr El-Youm, 7.1.2014).

Im ganzen Land werden Millionen von Pfund für Werbebanner ausgegeben, die auffordern, übermorgen am Referendum über die überarbeitete Verfassung mit „Ja“ zu stimmen. Jene Handvoll Leute, die Flyer mit dem Aufruf dagegen zu stimmen verteilten, wurden festgenommen. Das Regime hat Angst vor jedem, der anderer Meinung ist. Ganz abgesehen davon, dass mit dem verschwendeten Geld vielen Bedürftigen geholfen werden könnte. Verschwendet ist das Geld, weil die Verfassung sowieso angenommen wird. Oder zweifelt jemand daran?

Eine Bekannte hat mich gewarnt: ich solle aufpassen, wo ich welchen Kommentar hinterlasse. Tatsächlich wurde ich virtuell angegriffen und übel beschimpft, als ich meine Zweifel am  Wahrheitsgehalt der Nachrichten äusserte. Gemäss dem Einheitsbrei, der seit Monaten durch die Medien geistert, deckt die Polizei ständig geplante Bombenangriffe auf, entdeckt Terrorzellen, tötet Terroristen, hält einen 12-jährigen davon ab, sich als Selbstmordattentäter in die Luft zu jagen, und entschärft versteckte Bomben. Alles kann nicht wahr sein. Den Grund für die Beschimpfungen habe ich zuerst gar nicht verstanden. Doch Tatsache ist: wer nicht hinter dem jetzigen (und ursprünglichen) Regime steht, d.h., wer nicht mit der Mehrheit mitjubelt, ist entweder ein Anhänger der Muslimbrüder oder ein vom Ausland finanzierter Spion. Ein Heuchler sowieso und jemand, der keine Ahnung von Ägypten hat ebenfalls. Habe ich auch nicht, ich schaue und höre nur zu. Dann denke ich und das ist schon zu viel.

Die Mehrheit will nämlich nicht denken, sondern will einem Helden folgen, der sie ins Paradies – in Ägypten ist das Stabilität, Sicherheit und raus aus der wirtschaftlichen Misere – führt. Wer immer das verspricht, dem wird gehuldigt und blind gefolgt. Dabei fallen sie von einer Falle in die nächste. Wem das nicht passt, ist ein Gegner, der hinter Gitter gehört, damit er nicht nochmals auf die Idee kommt, einen Aufstand anzuzetteln.

Wie stark ist so ein Regime, wenn es Angst vor seinem eigenen Volk hat? Die Minderheit wartet vorerst ab und schweigt. Früher oder später wird sich das wieder ändern und die Mehrheit wird entdecken, dass sie wieder in eine Falle gestolpert ist. Nach dem Aufstand ist vor dem Aufstand; trotz Repression und Gewalt.

Montag, Dezember 30, 2013

ابدا بنفسك – Offener Brief an meine ägyptischen Freunde

Liebe Freunde

Ihr wisst, dass ich schon seit einiger Zeit in Ägypten lebe. Ich verfolge die Ereignisse, diskutiere mit euch und höre mir eure Sorgen über euer Leben und euer Land an. Keiner von euch ist glücklich, wir sind alle enttäuscht darüber, wie sich die vergangenen drei Jahre entwickelt haben. Mir tut es Leid für euch und auch für euer Land. Aber es gibt da etwas, das ich euch sagen möchte.

Ihr möchtet euer Land verändern? Ihr träumt davon, ein riesiges Land wie Ägypten zu ändern, das:
  • von 90 Millionen Menschen bevölkert ist,
  • sich über eine Fläche von fast einer Million Quadratkilometern erstreckt,
  • Heimat für Menschen unterschiedlicher Ethnien, unterschiedlichen Glaubens und unterschiedlicher Kulturen ist,
  • nicht für genügend Trinkwasser, Weizen und Energie sorgen kann,
  • in Smog, Abwasser und Abfall an Land und im Meer versinkt,
  • zu den korruptesten Ländern der Welt gehört?

All das und noch viel mehr wollt ihr ändern? Doch kaum jemand versucht, sein eigenes Verhalten zu ändern. Wenn ihr euer Land ändern wollt, dann müsst ihr zuerst bei euch selbst beginnen! ابدا بنفسك

In Gesellschaft und Öffentlichkeit – es geht um Respekt
Bitte, respektiert andere Menschen. Euer Nachbar ist anders als ihr? Er verhält sich anders? NA UND? Kümmert euch um euren eigenen Kram!

Unterschicht, Oberschicht? Was ist das? Warum schnauzt ihr den Strassenwischer an und verbeugt euch vor dem Manager? Keiner von denen ist besser oder schlechter als ihr: alle sind Menschen und verdienen Respekt.

Bitte respektiert Frauen. Belästigt sie nicht, starrt sie nicht an als ob sie nur Sexobjekte wären anstatt Menschen. Behandelt sie wie Prinzessinnen – sie verdienen es.

Was ist das für ein Problem mit Schwulen, Lesben, Atheisten und Gläubigen anderer Religionen? Ihr müsst sie nicht mögen oder ihre Wahl verstehen. Aber zeigt ihnen Respekt – sie sind Menschen wie ihr und ich und alles andere geht uns nichts an.

Ihr fährt Auto? Ägyptische Männer behaupten von sich, sie seien Gentlemen. Doch 90% von ihnen verwandeln sich in Monster, sobald sie ein Lenkrad umklammern. Warum lässt ihr Fussgängern nicht den Vortritt, sondern beschleunigt sogar und überfährt sie beinahe? Warum bleibt ihr nicht in eurer Fahrspur, sondern wechselt von rechts nach links und von links nach rechts, ganz nach eurem Belieben? Bitte respektiert die Verkehrsregeln – dafür sind sie da.
Ihr habt mit jemandem Streit? Ok, diskutiert das aus. Doch weshalb müsst ihr in der Öffentlichkeit herumschreien oder noch schlimmer: eine Schlägerei mit Unterstützung eurer Freunde anfangen? Könnt ihr das nicht in Ruhe und Anstand miteinander regeln? Müsst ihr wirklich alle Passanten, die Nachbarn im oberen Stock, im unteren Stock und jene auf der anderen Strassenseite auch noch miteinbeziehen? Bleibt doch zivilisiert, bitte.

Telefonieren in der Öffentlichkeit scheint wesentlicher zu sein, als Wasser zu trinken oder Brot zu essen. Ich hab’s verstanden. Aber dann bitte, werdet nicht laut und lasst dadurch Dutzende anderer Leute euer Gespräch mithören – wir wollen nichts über eure persönlichen Angelegenheiten erfahren.

Ihr habt eine Verabredung? Dann seid pünktlich! Und falls ihr doch zu spät dran seid, ruft doch euren Kollegen an und gebt ihm Bescheid.

Ihr gehört zu den Glücklichen, die eine Arbeit haben? Hunderttausende haben keine. Also weshalb macht ihr eure Arbeit nicht sorgfältig? Weshalb leistet ihr nur 60% an Qualität, warum nur 60% der Leistung? Warum hört ihr auf halbem Weg auf? Warum lässt ihr sie halb-fertig liegen? Eine Arbeit bedeutet Verantwortung – aber wenn ihr nicht verantwortungsbewusst seid, heisst das, dass ihr unzuverlässig seid und euren Lohn nicht verdient.

Ich weiss, dass ihr entgegnen wollt “aber die anderen machen das auch!” NA UND? Springt ihr auch von einem Wolkenkratzer, wenn jemand anders das macht? Ja, vermutlich springt ihr auch…

Privatleben – es ist dein Eigenes
Ihr habt mir so viele traurige Geschichten über dieses Thema erzählt. Ihr wollt euch scheiden lassen? Ihr seid unglücklich, euer Partner / eure Partnerin ist unglücklich und alle anderen in eurer Familie sind auch unglücklich? Dann vergiss dieses scheinheilige Getue um Ehre, Traditionen und Kulturen deines Stammes oder deiner Familie! Ist es euer Leben oder jenes der anderen? Wollt ihr eure Kinder in einer heuchlerischen Familie erziehen, ihnen heuchlerische Werte vermitteln oder wollt ihr, dass sie ein besseres Leben haben werden als ihr?

Ihr möchtet jene Frau / jenen Mann heiraten, den ihr liebt, aber sie / er gehört einer anderen Religion an, kommt aus einem anderen Land oder einer anderen sozialen Schicht oder anderen, von Menschen erfundenen Hindernissen? Nochmals frage ich euch: ist es euer Leben oder jenes derer, die euch in eine arrangierte Ehe zwingen wollen, welche euch und eure Partnerin / euren Partner unglücklich macht, welche euch zwingt, eine Rolle zu spielen nur um die Ehre eurer Familie nicht zu beschmutzen? Wenn ihr es nicht wagt, aus diesem Teufelskreis auszubrechen, werdet ihr dann euren Kindern erlauben, dies zu tun? Oder werdet ihr sie in dasselbe unglückliche Leben zwängen? Aber natürlich wollt ihr ein besseres Leben für euren Nachwuchs, nicht wahr?

Entscheidet selbst für euer Leben, bitte!

Umwelt, Verschmutzung, Abfall und all das Zeug – kümmert euch darum
Braucht ihr wirklich jedes Mal einen neuen Plastiksack, wenn ihr eine Dose Cola kauft? Nein? Ihr trinkt das Cola sowieso sofort? Weshalb dann lehnt ihr den Plastiksack nicht lächelnd ab?

Habt ihr jemals über all diese Plastiksäcke und – flaschen und Kartonschachteln und Büchsen nachgedacht, die der Wind in die Wüste und ins Meer wirbelt? Habt ihr jemals darüber nachgedacht, welche Schäden sie an den Korallenriffen, den Fischen, den Vögeln und Mutter Erde antun? Habt ihr je überlegt, dass es eine Ewigkeit braucht, bis Plastik verrottet? Habt ihr euch je überlegt, wie hässlich all der Abfall in eurem Land anzusehen ist und welches Gesundheitsrisiko er birgt? Bitte, hört auf, Abfall überall hinzuwerfen! Bitte hört auf, Schutt auf Strassen, Plätze, ins Meer und in der Wüste zu lagern. Wenn ihr keinen Abfallkübel findet, dann nehmt euren Abfall mit nach Hause und entsorgt ihn dort. Seid ein Vorbild für die anderen.

In eurem Land leben Millionen von Armen. Viele können nicht mal jeden Tag ihren Hunger stillen. Ihr wisst das doch, oder? Wie könnt ihr es trotzdem übers Herz bringen, Lebensmittel und halb ausgetrunkene Getränkebehälter wegzuwerfen?

Euer Land leidet unter Stromunterbrüchen und es fehlt an Treibstoff. Ich stelle mir vor, dass jeder versuchen würde, sparsam mit Energie umzugehen, doch ich täusche mich! Ist es wirklich nötig, dass die Klimaanlage läuft während Fenster und Türen weit offen stehen? Hat euch nie jemand erklärt, dass man Fenster und Türen schliessen sollte? Während der ganzen Nacht brennen die Lampen in den Treppenhäusern – warum? Tagsüber brennen Strassenlaternen – warum? Ihr schläft mit eingeschaltetem Licht – warum? Solch eine Verschwendung von Energie und Geld! Ägypten kann sich diese Verschwendung gar nicht leisten.

ابدا بنفسك
Wenn ihr nicht euer Leben ändert, wer soll es denn für euch tun? Werden eure Kinder beginnen, ihr Leben zu ändern? Oder wird alles beim Alten bleiben? Sodass sich nie etwas ändert? Wie denn, bitte, soll sich euer Land je ändern?

Ich weiss, die meisten von euch, meinen ägyptischen Freunden, sind sich dessen bewusst und handeln entsprechend. Doch dies ist ein offener Brief, deshalb bitte leitet ihn weiter an eure Freunde und eure Familien und deren Freunde und Familien.
Danke.


Donnerstag, Dezember 26, 2013

Hexenjagd eröffnet

Die Hexenjagd ist offiziell eröffnet. Nach dem Anschlag auf ein Polizei-Hauptquartier in Mansoura vor zwei Tagen haben der Staat und die Öffentlichkeit mit dem Finger auf die MB gezeigt, obwohl noch gar keine Beweise vorhanden sind, sich die MB vom Anschlag distanziert haben (ob das die Wahrheit ist, ist eine andere Frage) und obwohl sich die Gruppe Ansar Beit El-Maqdis zum Anschlag bekannt hat.

Die Bevölkerung von Mansoura hat rasend vor Wut und Zorn Geschäfte, Häuser und anderen Besitz von angeblichen Muslimbrüdern zerstört.

Zu einer Terroristen-Organisation hat der Premierminister die MB erklärt und jeder, der dieser Verbindung angehört, kann verhaftet werden. Doch: woran erkennt man einen Muslimbruder? Die Organisation ist wie ein Geheimbund aufgebaut und es gibt innere und äussere Kreise, deren Mitglieder je nach Zugehörigkeitsgrad tiefer in die Geheimnisse des Bundes eingeweiht sind. Und dann gibt es Sympathisanten. Zahlen gibt es nicht, nur Schätzungen: mehrere Millionen Anhänger – was dank der karitativen Tätigkeit der Bruderschaft verständlich ist – und mehrere Hunderttausend Zugehörige.

Erkennbar sind sie also nicht. Und die Millionen Mitläufer und Dankbaren ob der verbilligten Lebensmittel, Gratisschulen und 50-Pfund-Noten für die Stimmabgaben: sind sie Terroristen???

Gejagt können nun aber alle werden, die sich irgendwie wie „Muslimbrüder“ verhalten oder aussehen. Genauso, wie noch immer Christen gejagt und ihre Habe gebrandschatzt wird. Genauso, wie es in Europa den Juden erging.

Es ist zum Weinen. Diese Hexenjagd wird weiteren Hass streuen, weitere Tote fordern, die wieder gerächt werden, und weiteres Leid über die geplagten Ägypter bringen. Die Bombenanschläge werden deshalb nicht aufhören, im Gegenteil. Was um alles in der Welt überlegt sich der Staat bzw. El-Sissy und seine Kollegen?

Der „Kampf gegen den Terrorismus“ ist flächendeckend und die Repression schliesst inzwischen auch jene Aktivisten mit ein, die als treibende Kraft hinter dem Aufstand vom 25. Januar 2011 stand. Sie wurden soeben zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.


Muss die Welt bald zusehen, wie sich die Ägypter gegenseitig abschlachten? In vier Wochen jährt sich der 25. Januar zum Dritten Mal. Wann kommt der nächste Aufstand?

Samstag, Dezember 21, 2013

Frohe Weihnachten

Ich wünsche allen meinen treuen Leserinnen und Lesern und auch denjenigen, die sich zufällig auf meine Seite verirren

Frohe Weihnachten und ein glückliches 2014!



Ich wünsche euch, dass ihr die bevorstehenden Festtage mit lieben Menschen verbringen könnt. Möge euch das kommende Jahr etwas von dem bringen, was ihr euch am Sehnlichsten wünscht.

Eure El Qamar.

Mittwoch, Dezember 18, 2013

Scham oder was?

Mein „Püppchen“ ist nicht wie vereinbart zum Unterricht gekommen. Das Mädchen ist erst neun, klug und kommt gern zu mir. Neulich zeigte sie mir vor Stolz beinahe platzend ein Diplom für die beste Note in Englisch.

Ich rief ihren Vater an – keine Antwort. Ich machte mir Sorgen. Noch versuchte ich, zwei Nachrichten über Autounfälle zu verdauen: der fünfjährige Schüler einer Freundin wurde überfahren, der Ausfahrer der Bäckerei und seine Frau schwer verletzt. Was ist meinem „Püppchen“ passiert? Was ist ihren Eltern passiert?

Am Tag des nächsten Unterrichts rief ich den Vater nochmals an – diesmal antwortete er: „Es tut mir leid, ich war den ganzen Tag unterwegs, hatte viele Probleme und hatte das Handy im Auto vergessen und als ich am Abend den Anruf sah, habe ich mich geschämt und getraute mich nicht, zurück zu rufen“ und so weiter…

Als das Mädchen da war, habe ich sie gefragt, weshalb sie nicht gekommen sei. „Es war kalt“ hiess die ehrliche Antwort.

Ich habe sie dann gefragt, wie sie sich fühlen würde, wenn sie bei mir läutete und ich die Türe nicht öffnete, sondern im Bett bliebe, weil es dort wärmer wäre. Sie hat verstanden, worum es geht.

Ich weiss, dass Ägypter für uns Europäer seltsam anmutende Schamgefühle haben. Doch was ist denn nun schlimmer: eine Notlüge auszusprechen, anstatt schlicht zu den Tatsachen zu stehen („es ist zu kalt, wir kommen heute nicht“) oder von der Tochter und ihrer Lehrerin als Lügner entlarvt zu werden? Was für ein Vorbild ist der Vater für seine Tochter? Was ist das für eine Generation von Eltern?

Einer meiner ägyptischen Freunde lachte darüber und meinte: das machen viele so. Alle Lügen, nur wenige hätten den Mut, ehrlich zu sein. Tugend und Respekt sind Mangelware geworden.


Freitag, Dezember 13, 2013

Schnee in Ägypten

Unglaubliche Bilder, unglaubliches Wetter! Es kommt vor, dass es im Winter auf dem Sinai schneit, die Berge reichen da auf 2'600 m ü.M. - aber in Kairo und Alexandria? Hier sind einige Bilder, alle von Facebook geklaut:



St. Catherin auf dem Sinai

Kairo

Alexandria

Alexandria
Und bei mir in Hurghada wechselt sich die Sonne mit Sandsturm ab - es ist saukalt. 

Einer meiner Freunde meinte: "Gott bestraft uns wohl...". Ich denke hingegen an all die Strassenkinder, an all die Menschen, die in dieser Weltgegend in behelfsmässigen Hütten und in Rohbauten hausen: viele werden in dieser Kälte erfrieren. 

Auf unserem Planeten läuft schon ziemlich vieles schief :( .